Dienstag, 7. Dezember 2010

Der Geschirrgriff - Aufbau

Heute kommen wir zum zweiten Teil der "Geschirrgriff Serie": Dem Aufbau.

Beim Geschirrgriff ist ein richtiger Aufbau (wie bei allen Signalen) sehr wichtig. Im dritten Teil möchte ich mich kritisch mit dem Geschirrgriff auseinandersetzen und euch auch darüber aufklären, was passiert, wenn der Hund den Geschirrgriff anders verknüpft als wir dachten. In diesem Blog-Eintrag geht es jetzt erstmal nur um den korrekten Aufbau.

Level 1: Einstieg

* Signal "Stop" (oder ein Anderes) sagen
* Kurz durchatmen (kleine Pause)
* Ins Geschirr greifen und Zug aufbauen
* Markersignal geben
* Futterbelohnung geben
* Zug wegnehmen und Geschirr loslassen

Das Signal für den Geschirrgriff kann individuell gewählt werden, es sollte klar ausgesprochen werden, mit normaler Sprechstimme, nicht unfreundlich, aber auch nicht geflüstert. Für taube Hunde verwendet man ein Sichtzeichen anstatt des Hörzeichens.

Die kurze Pause zwischen dem Wortsignal und dem Reingreifen ins Geschirr hat mehrere Aspekte. Zum Einen kündigen wir so unsere nächste Handlung an und unsere Körpersprache richtet sich unbewusst darauf aus, welche der Hund imstande ist zu lesen. Zum Anderen trennen wir durch die kurze Pause das Wortsignal von der nachfolgenden Aktion sehr genau und der Hund kann eine klare Verknüpfung herstellen (Denkt dabei an die klassische Konditionierung, die hier vorliegt.). Erst durch dies klare Trennung kann das Signal für den Geschirrgriff später auch auf Distanz funktionieren.

Am Anfang sollte der Mensch sich seitlich zum Hund ausrichten und auch seitlich in das Geschirr greifen. Bei kleinen Hunden sollte der Mensch sich zuerst auf die Ebene des Hundes begeben um ein "Grabschen" zu vermeiden. Am Anfang sollte die Annährung der Hand zum Geschirr langsam erfolgen. Auch der Griff ins Geschirr sollte am Anfang eher seitlich passieren. Erst mit zunehmenden Trainingsstand wird die Position des Menschen verändert und es wird dann auch aus ungünstigen Winkeln (für den Hund) gearbeitet. Zum Trainingseinstieg sollte eine bedrohende Körperhaltung des Menschen vermieden werden.
Zug aufbauen bedeutet je nach Hund: Das Geschirr ein wenig anheben, damit der Hund spürt, dass sich etwas tut und er nicht weiter nach vorne kommt. Der Zug muss dem Hund angepasst sein. Und ganz wichtig: Der Hund soll nicht nach hinten oder zur Seite gezogen werden, durch den Zug am Geschirr wollen wir nicht die Position des Hundes verändern. Das ist ganz wichtig für einen korrekten Aufbau. Es geht bei diesem Zug um den Oppositionsreflex (Druck = Gegendruck), welcher durch klassische Konditionierung umgewandelt werden soll.

Das Markersignal wird gegeben, sobald Zug aufgebaut wurde. Arbeitet ihr mit Clicker, achtet darauf, nicht direkt hinter den Ohren des Hundes zu clicken. Warum? Probiert es einfach bei euren eigenen Ohren aus und ihr wisst, warum. Es empfiehlt sich beim Geschirrgriff mit Markersignal zu arbeiten, es erleichtert das Handling.

Den Zug weiterhin halten, während dem Hund ein Stück Futter gegeben wird. Hat der Hund aufgegessen, Geschirr loslassen und somit nehmen wir auch den Zug weg.

Ich empfehle euch allen: Lasst euch den Geschirrgriff von jemandem zeigen, der ihn schon oft praktiziert hat und der euch den korrekten Aufbau zeigt (möglichst ein Hundetrainer oder erfahrener Geschirrgriffler).

Das soll es für heute gewesen sein. Es folgt noch Level 2 sowie eine kritische Auseinandersetzung mit dem Geschirrgriff. Außerdem werde ich noch einen Artikel schreiben, wie man mit sehr ängstlichen Hunden Schritt für Schritt den Geschirrgriff aufbauen kann.

Der Geschirrgriff wurde entwickelt von CumCane®, Dr. Ute Blaschke-Berthold & Dieter Degen, www.cumcane.de

Für diesen Hund speziell ist der Zug am Geschirr zu sanft. Dani steht seitlich zu Shanti.

So spürt Shanti den Geschirrgriff.

Auch bei Teddy sieht man den Geschirrgriff deutlich.

Bei dieser Hundegröße muss sehr vorsichtig verfahren werden. Zu starker Zug kann den Hund aus dem Gleichgewicht bringen. Das wiederum ist sehr unangenehm für den Hund und kann schnell zu Meideverhalten führen.

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